Střítež nad Bečvou, 20. Mai 2009
Nr. SEK/772/2009

An

den Bürgermeister des 11. Prager Stadtbezirks
den Vorsitzenden des Kontrollausschusses des Rates des 11. Prager Stadtbezirks

den Oberbürgermeister der Hauptstadt Prag
den Vorsitzenden des Kontrollausschusses des Rates der Hauptstadt Prag

den Minister für Arbeit und Soziales der Tschechischen Republik
den Minister für Menschenrechte der Regierung der Tschechischen Republik

den Senator Karel Schwarzenberg
den Vorsitzender des Ausschusses für Außenpolitik, Verteidigung und Sicherheit des Senats des Parlamentes der Tschechischen Republik

den tschechischen Ombudsmann

 

OFFENER BRIEF – PROTEST

GEGEN DIE SCHLIESSUNG DES ASYLHAUSES IN PRAG 11

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich wende mich im Auftrag der 32. Synode der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in einer dringenden Angelegenheit an Sie.

Die Synode als höchstes Organ der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder ist zutiefst beunruhigt darüber, dass in der Hauptstadt Prag die langjährige Bemühung des Bürgervereins Společnou cestou (Gemeinsamer Weg) für den Aufbau und Betrieb des Asylhauses in der Donovalská-Straße im 11. Prager Stadtbezirk zunichte gemacht wurde. Das Asylhaus diente Müttern und Familien mit kleinen Kindern, die oft ohne eigene Schuld in ausweglose Lebenssituationen geraten sind. Oft ist es dank der Hilfe des Asylhauses gelungen, Familien zusammen zu halten, so dass Kinder nicht im Heim endeten. Eine eindeutige Unterstützung für den Erhalt des Asylhauses kam aus dem Ministerium für Arbeit und Soziales und vom Minister für Menschenrechte der Regierung der Tschechischen Republik.

Das Asylhaus wurde von einem unabhängigen Verein betrieben, dennoch bestand eine enge Zusammenarbeit mit der Ortsgemeinde unserer Kirche. Ausdruck dessen war nicht nur die Beteiligung von Freiwilligen unserer Gemeinde an den Veranstaltungen des Asylhauses und geistliche Begleitung für die, die Interesse daran bekundeten, sondern auch die Tatsache, dass unsere Kirche ihr Gemeindehaus so gebaut hat, dass beide Gebäude architektonisch zu einer Funktionseinheit verbunden sind. Der Bau des Gemeindehauses an diesem Ort hatte die volle Unterstützung der Vertreter des Stadtbezirks. Sie konnte verwirklicht werden dank der Spenden ausländischer Kirchen, deren Motivation besonders in der Verbindung von Kirche und sozialen Diensten für die Bedürftigsten lag.

Wir waren daher sehr enttäuscht, als die Leitung des Rathauses von Prag 11 und anschließend auch das Rathaus der Hauptstadt Prag Anfang des Jahres die Schließung des Asylhauses mit der Begründung durchsetzten, dass der Stadtbezirk Prag 11 das Gebäude für einen Kindergarten braucht. Die Notwendigkeit, die Kapazität der Kindergärten zu erweitern war jedoch schon zu der Zeit bekannt, als der Stadtbezirk Prag 11 den Umbau des Gebäudes für die Zwecke des Asylhauses finanziell unterstützt hatte. Schließlich würde der erneute Umbau für die Nutzung als Kindergarten nun weitere Investitionen erfordern.

Die Proteste, die diese Absicht des Stadtbezirks Prag 11 hervorrief, waren bislang erfolglos, obgleich damit auch Vorschläge für gangbare Alternativlösungen verbunden waren. Die ausländischen Geldgeber, die am Bau des Gemeindezentrums mit einem Betrag von 25 Millionen CZK beteiligt waren, protestierten gegen die Schließung des Asylhauses direkt beim Oberbürgermeister der Hauptstadt Prag. Aufgrund dieser Proteste und dank der Intervention ausländischer Diplomaten, verlangte der Außenminister der Tschechischen Republik vom Oberbürgermeister der Hauptstadt Prag die Absicht, das Asylhaus in Prag 11 zu schließen, zu überdenken. Aber auch diese Stimme fand kein Gehör.

Mit Überraschung haben wir daher die Nachrichten über eine neue Entwicklung der Ereignisse zur Kenntnis genommen. Momentan stellt der Stadtbezirk Prag 11 fest, dass die Kapazität der Asylhäuser nicht ausreicht, und deshalb steht der Bau eines neuen Asylhauses, an einem anderen Ort und in eigener Verwaltung des Stadtbezirks auf dem Programm.

Aus allen oben genannten Gründen fordern wir Sie höflichst auf, sich für eine Neubewertung des Vorhabens des Stadtbezirks Prag 11 einzusetzen und die Wiederherstellung des Asylhauses, das vom Verein Společnou cestou aufgebaut und verwaltet wurde, zu unterstützen.

Für Ihr Verständnis und freundliches Entgegenkommen danken wir besonders im Hinblick auf die Klienten der Dienstleistungen.

Hochachtungsvoll im Namen der Synode der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder

 

Mgr. Vladimír Kopecký

Vorsitzender der 32. Synode der EKBB